Fragiler Friedenspakt mit Armenien

Mit wirtschaftlichen Versprechungen hatte der frühere US-Präsident Donald Trump die Präsidenten von Armenien und Aserbaidschan an einen Tisch gebracht. Beide unterzeichneten eine Absichtserklärung, die Trump als historischen Friedensschluss feierte. Doch bleiben die entscheidenden Konfliktpunkte hinter der Inszenierung ungelöst.

Ein zentrales Problem: Aserbaidschan behält sich vor, den Transitverkehr zwischen dem Iran und Armenien jederzeit zu unterbrechen. Stattdessen verfolgt Baku das Ziel, eine direkte Verbindung zu seiner Exklave Nakhchivan zu schaffen.

Die Vorgeschichte ist blutig. Aserbaidschan hatte die armenische Bevölkerung aus Bergkarabach vertrieben und sich dabei auf das Völkerrecht gestützt. Dieses gewichtet historische Grenzziehungen stärker als das Selbstbestimmungsrecht der dort lebenden Menschen. Kritiker sehen darin eine Belohnung für aggressive Politik.

Trotz offener Wunden könnte der Pakt eine pragmatische Zwischenlösung darstellen: Die Waffen schweigen, und eine Phase der Entspannung ist möglich. Ob daraus echter Frieden erwächst, hängt jedoch davon ab, ob Aserbaidschan bereit ist, auf eine gute nachbarschaftliche Beziehung hinzuarbeiten.


Hintergrund: Der Konflikt um Bergkarabach

  • Lage: Eine gebirgige Region im Südkaukasus, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, aber jahrzehntelang mehrheitlich von Armeniern bewohnt wurde.
  • Ursprung: Ende der Sowjetunion: Die armenische Bevölkerung in der Region Bergkarabach forderte den Anschluss an Armenien. → Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan (1988–1994) mit Zehntausenden Toten.
  • Status quo bis 2020: Armenien kontrollierte Bergkarabach und angrenzende Gebiete, was Aserbaidschan als völkerrechtswidrig ansah.
  • Krieg 2020: Aserbaidschan eroberte große Teile von Bergkarabach zurück, unterstützt von der Türkei und moderner Drohnentechnologie. Russland vermittelte Waffenstillstand.
  • Offensive 2023: Baku übernahm vollständige Kontrolle über Bergkarabach; fast alle Armenier flohen oder wurden vertrieben.
  • Kernproblem: Völkerrecht schützt historische Grenzen stärker als das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung.

Tourismus nur auf Basis echter Freundschaft

Tourismus vermag es, Brücken zu bauen – aber nur, wenn er auf gegenseitigem Respekt und echter Freundschaft fußt. Sollte der Friedenspakt lediglich eine diplomatische Fassade sein, bleibt jede touristische Initiative ein Feigenblatt. Nur wenn Begegnungen frei und ohne Misstrauen stattfinden, kann der Tourismus zwischen Armenien und Aserbaidschan funktionieren und sich zu einem Motor für Verständigung entwickeln.


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